Detektei iD-intertrace

Ein Auszug aus den Presseberichten im Zusammenhang mit der 76. Jahreskonferenz der WAD im Sommer 2001 in Berlin

 

Berliner Kurier vom 21.08.2001

Detektiv-Kongress

Nachrichten BERLIN - Eine viertägige Jahreshauptversammlung des Weltverbandes der Detektive hat gestern in Berlin begonnen. 183 Teilnehmer aus 28 Ländern beraten u. a. über die Abwehr illegaler Lauschangriffe und Maßnahmen gegen Industriespionage. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) forderte zu Beginn ein Gesetz für das private Gewerbe. Darin sollte eine bescheinigte Qualifizierung der Mitarbeiter festgelegt sein.

 

Berliner Zeitung vom 22.08.2001

Es muss nicht immer wie bei Marlowe sein
Der Weltverband der Detektive trifft sich in Berlin

Einen Trenchcoat trägt hier keiner. Niemand raucht Pfeife. Nicht einmal Detektive nennen sich die meisten. Sie seien Ermittler, sagen sie. Vielleicht, weil Detektiv zu sehr nach Sherlock Holmes und Philip Marlowe klingt. Mit diesen "private eyes" aus der Literatur haben die Ermittler von heute wirklich nicht viel zu tun. Statt einsam in einem schäbigen Büro auf den nächsten Fall zu warten, sind sie meist Angestellte einer Firma. Und statt hinter mysteriösen Mördern sind sie hinter Angestellten her, die Geld veruntreuen oder hinter gefälschten Rolex-Uhren. Einmal im Jahr treffen sie sich zur Versammlung des Weltverbandes der Detektive. Dieses Jahr sind fast 200 Ermittler aus 29 Ländern nach Berlin gekommen.
In Seminaren lernen sie hier etwas über Datensicherheit im Internet und Industriespionage. Aber wichtiger noch als diese Weiterbildung, so sagen die Ermittler, seien die Kontakte, die während des Treffens geknüpft werden. Denn nicht nur die Wirtschaft arbeitet global, sondern auch Kriminelle. Und das Internet ist ohnehin nicht an Ländergrenzen gebunden. Die Produktpiraterie bei Computerfirmen führt die Ermittler manchmal bis in irgendwelche Hinterzimmer in Bangkok oder Manila. "Da ist es gut, wenn ich jemanden anrufen kann, den ich kenne und dem ich vertrauen kann", sagt Allen Cardoza aus Kalifornien. Er hat sich allerdings auf die Suche nach Kindern spezialisiert, die von einem Elternteil entführt worden sind - oft ins Ausland.
Norma Stekelenburg aus Holland ist eine der wenigen Frauen in diesem Beruf. Ihre Ausbildung? Sie war Kunstreiterin, bis sie vor vier Jahren in die Firma ihres Vaters einstieg. Heute arbeitet die 28-Jährige ausschließlich für Versicherungsunternehmen. Meist geht es um Betrug, doch davon spricht sie nicht gern. "Das Unternehmen beauftragt uns, wenn es noch Fragen zu einem Fall hat", sagt sie. Untreue Ehemänner hat sie noch nie ausgeschnüffelt. In Holland sei das sogar verboten, sagt sie. Auch wenn es ein solches Verbot in anderen Ländern nicht gibt, engagieren Privatleute selten Detektive. 60 Prozent aller Aufträge kommen nach Auskunft des Bundesverbandes Deutscher Detektive aus der Wirtschaft.
Zwar sitzen Detektive manchmal auch heute noch stundenlang in Autos mit verdunkelten Fensterscheiben und beobachten, aber die meiste Zeit verbringen sie im Büro. Sie recherchieren in Datenbanken oder im Internet und manchmal lösen sie mit Hilfe des Computers schon den ganzen Fall. Erwachsene zum Beispiel würden fast immer eine "paper trail", eine Spur aus Papier, hinterlassen, sagt Cardoza.
Nicht immer haben die Ermittler es mit Verbrechen zu tun. Manche Firmen wünschen Informationen über Bewerber für hohe Posten, deren Lebenslauf ihnen merkwürdig manipuliert erscheint. Manchmal rufen Eltern an, deren Kind weggelaufen ist. Frank Stammberger, der einst für die DDR in der Spionage-Abwehr arbeitete und seit elf Jahren in Berlin-Mitte ein Büro hat, musste einmal für einen italienischen Lebemann einen berühmten aber aus der Öffentlichkeit verschwundenen Koch aufspüren, den dieser für seinen Privathaushalt anheuern wollte.

 

Frankfurter Allgemeine Rundschau vom 21.08.2001

Detektive brauchen Weiterbildung. Am Montag begann die viertägige Jahreshauptversammlung des Weltverbandes der Detektive in Berlin. Auf dem Programm stehen Seminare zu Themen wie "Abwehr eines Lauschangrifs", "Datensicherheit im Internet" und "DNA- Analyse". An der Tagung des mit knapp 1000 Mitgliedern größten internationalen Berufsverbandes der Detektive nehmen 183 Spürnasen aus 29 Ländern teil.

 

Berliner Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.08.2001,
Nr. 196, Seiten 5. BS2

Ohne aufgestellten Mantelkragen
Die Zeiten von Miss Marple sind vorbei: Detektive sollten sich heute in der Wirtschaft auskennen

Was ist eigentlich aus Berlins Detektiven geworden? Tragen sie noch immer Namen wie "Gustav mit der Hupe", oder zwängen sie sich inzwischen unter zuklappende Garagentüren und sitzen nachts mit aufgestelltem Mantelkragen in zwielichtigen Bars? Nichts von alledem. Der Detektiv von heute trifft sich im Hotel Hilton zur "Annual Conference of the World Association of Detectives" und trägt Anzug und Krawatte, wenn im Tagungsprogramm um "Business Attire" ersucht wird. Tagsüber widmet er sich Themen wie "Datensicherheit im Internet" oder "DNA-Analyse", nachts schließt er sich einer Bustour an, die ihn laut Programm zum "Munich- Style Oktoberfest Dinner" bringen wird. Der moderne Detektiv - soviel steht am Ende der viertägigen Jahreshauptversammlung in Berlin fest- hat wenig vom Serienhelden Matula und viel von einem Anlageberater im Angestelltenverhältnis.
Als Grund dafür wird, wenig überraschend, die Globalisierung genannt. 80 Prozent der Aufträge, die an Deutschlands 3000 Detektive und 1270 Detekteien gehen, hätten etwas mit Wirtschaft zu tun, sagt Josef Riehl, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Detektive. Das ist seit sechs oder sieben Jahren so, und es geht in erster Linie um Marken- und Produktpiraterie, Versicherungsbetrug oder Verstöße gegen das Patentgesetz. Das Wichtigste an der Detektivarbeit ist Riehl zufolge daher "technisches Know-how". Gut die Hälfte seiner Zeit sitzt der moderne Detektiv nämlich vor seinem Computer.
Und selbst wenn Detektive einmal in Privatangelegenheiten engagiert werden, haben sie in den seltensten Fällen mit den Eskapaden untreuer Partner zu tun. Seit in den siebziger Jahren das Scheidungsrecht geändert wurde, interessieren sich mißtrauische Eheleute weniger für die Seitensprünge als die Einkommensverhältnisse des anderen. Bei einem Großteil der Aufträge von Privatpersonen geht es überhaupt darum, vermißte Kinder und Jugendliche ausfindig zu machen.
Die Spionage ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Drehte sich früher, wie Rolf Dau von Philips in seinem Vortrag ausführte, das meiste um Politik und Waffen, richtet sich das Augenmerk heutzutage auf die Wirtschaft. Daß Industriespionage in den vergangenen Jahren ungeahnte Dimensionen erreichen konnte, liege allerdings nicht nur an den modernen Techniken, sondern auch am fahrlässigen Umgang mit Daten. Dau geht etwa davon aus, daß man bei dreißig Prozent aller Firmencomputer das Paßwort am dazugehörenden Schreibtisch finden würde.
Wenn es um illegalen Datentransfer geht, befinden sich Detektive oft in einer Zwickmühle, wie ein amerikanischer Tagungsteilnehmer ausführte. So würden Firmen nicht nur an ihn herantreten, wenn sie über undichte Stellen im eigenen Unternehmen Bescheid wissen wollten, sondern oftmals auch, wenn sie sich für geheime Daten der Konkurrenz interessierten.
Immerhin ergreifen immer mehr Frauen den Beruf des Detektivs. Die meisten von ihnen kommen aus dem Polizeidienst oder hatten mit Personenschutz zu tun. Riehl beziffert den Frauenanteil mit fünfzehn Prozent. Zumindest für Deutschland. Die Kongreßteilnehmerin Laura Rossi ist eine von drei Detektivinnen, die es derzeit in ganz Italien gibt. Auch sie hat mit ihrem engen Geschäftsfrauenkostüm und dem Aktenkoffer wenig von dem, was man sich seit Miss Marple gemeinhin unter Detektivinnen vorstellt. Hinter getönten Scheiben im Auto gesessen und observiert habe sie höchstens als Anfängerin, erzählt Frau Rossi. Jetzt verrichte sie hauptsächlich "Denkarbeit am Schreibtisch".
VERENA MAYER

 

DER TAGESSPIEGEL vom 21.08.2001, Nr. 17504 Seite 001

Miss Marple hängt im Netz. Moderne Aufträge, moderne
Methoden - was der Weltverband der Detektive beim
Jahrestreffen in Berlin bespricht.

VON KERSTIN KOHLENBERG
Ohne Auge geht es nicht. Auch nicht ohne Schlüsselloch und Fingerabdruck. Die Visitenkarten, die beim Treffen der World Association of Detectives im Hilton am Gendarmenmarkt herumgereicht werden, lassen keine Zweifel zu. Wir haben es mit Leuten zu tun, die Probleme lösen. Meisterdetektive eben, die sich hier eine Woche lang treffen, um über den oft schlechten Ruf ihres Jobs zu reden, strengere Zulassungskriterien zu fordern, und sich nebenbei noch in DNA-Analyse, Abwehren eines Lauschangriffes oder Datensicherheit im Internet schulen zu lassen.
Auf einem Fernseher im Foyer läuft ein Schulungs-Video, das man für 300 Mark kaufen kann und das einem etwas beibringt über Spionageprävention für Manager. Daneben steht Miss Marple und unterhält sich mit der Dame am Info-Tisch. Sie trägt ein blauweiß gestreiftes Kleid, eine Ledertasche und heißt eigentlich Kathleen Cummings. Seit 1958 arbeitet sie als Detektivin in London. "Heutzutage", sagt sie, "mache ich nur noch die Fälle, die mich wirklich verdienen". Miss Marple lacht. Während des Zweiten Weltkriegs hat sie für die englische Regierung gearbeitet, danach fünf Jahre lang Kaufhausdetektive geschult. Seit 43 Jahren ist sie nun verschwundenen Personen auf der Spur. Plötzlich schaut Miss Marple erschreckt auf den Boden. Ihre Aktentasche! Detective Cummings macht sich auf die Suche.
Für Johnathan Tal, den Präsidenten dieser Berufsvereinigung für Detektive, liegt die Zukunft in einem anderen Bereich. Wirtschaftskriminalität sei der Sektor, in dem die meisten seiner Kollegen tätig seien. Dort sei höchste Diskretion gefragt, und oft ginge es um sehr viel Geld. Tal selbst, ehemaliger Agent des israelischen Geheimdienstes, hat eine Detektei in Silicon Valley, die auf den Schutz von intellektuellem Eigentum spezialisiert ist. Seine Kunden sind Firmen wie Microsoft oder Marriot. Sein letzter Fall war der eines Mitarbeiters, der von seiner Firma entlassen wurde. Am letzten Arbeitstag stellte er alle geheimen Daten, zu denen er Zugang hatte, ins Internet und verschwand. Tal wurde eingeschaltet. Er fand den Mitarbeiter, der schnell alles zugab. Die Firma bot dem Mitarbeiter an, rechtlich nicht gegen ihn vorzugehen, wenn er seine Komplizen nennen würde. Sie war nicht besonders daran interessiert, dass der Vorfall publik wurde. Der Mann willigte ein und der Fall war abgeschlossen.
In der Mehrzahl sind die Detektive Männer zwischen 40 und 50. Dazwischen sieht man aber immer wieder junge Frauen. Viele von ihnen haben einen Abschluss in einem wirtschafts- oder internationalen Studiengang. So wie Radhika. Sie ist 28 Jahre alt und aus Indien angereist. Sie erstellt Firmen-Profile für Interessenten, die in Indien investieren wollen oder recherchiert Versicherungsfälle, in denen die Versicherung von einem Betrug ausgeht. Die Zeit der Trenchcoats und Pfeifen ist vorbei. Nur einmal, sagt der Berliner Detektiv Lothar Müller, habe er sich verkleidet. Bei der Aufklärung eines Mietbetruges, da habe er sich tatsächlich mal eine Perücke aufgesetzt.

 

Neues Deutschland vom 18./ 19.08.2001

Gipfeltreffen der Schlapphüte
In Berlin treffen sich 200 Detektive aller Welt zur Jahreshauptversammlung

Von Christoph Nitz
Mehr als 200 Schlapphüte versammeln sich ab heute in Berlin zur 76. Jahresversammlung der WAD der World Association of Detectives. Die weltweit älteste und mitgliederstärkste Vereinigung privater Ermittler und Sicherheitsdienstleister hat nach eigenen Angaben annähernd 1000 Mitglieder in 64 Ländern. Der Kongress bietet unter dem Motto "Today‘s Information- Tomorrow‘s Knowledge" bis zum kommenden Freitag Diskussionen, Fachvorträge und Ausstellungen im angenehmen Ambiente des Berliner‘ Hilton Hotels.
Seit den Tagen von Sherlock Holmes prägten die Klischees der Kriminalliteratur die öffentliche Wahrnehmung seines Berufsstandes, beklagt sich Organisator Lothar Müller von der Detektei MS aus Berlin. Detektive seien heute zumeist im Auftrag der privaten Wirtschaft bei der Aufdeckung und Aufklärung von Delikten wie Produkt- oder Markenpiraterie, bei der Verletzung von Patentrechts- und Lizenzrechtsverletzungen oder der Computerkriminalität aktiv, so Müller weiter. Die reale Berufswelt der privaten Ermittler hat also wenig zu tun mit den bekannten Bildern von Derrick oder Sam Spade.
In den letzten zehn Jahren veränderte sich das Kriminalitätsbild in Deutschland und ganz Europa stark. Vor allem die Intensität der organisierten Kriminalität habe sich erhöht. Deutschland und besonders Berlin seien zu einer Drehscheibe für deren »Ost-West-Geschäft« geworden betonte Müller.
Das schlechte Ansehen der privaten Ermittler stört die seriösen Vertreter dieses Berufsstandes. Diese organisieren sich deshalb in Berufsverbänden wie die W.A.D. und versuchen mit Standesregeln schwarze Schafe aus ihrer Branche zu vertreiben. Im Vordergrund des erstmals in Deutschland ausgerichteten Kongresses steht deshalb auch die Weiterbildung der Schlapphüte. Seminare zu IT- Sicherheit, Spionageschutz, organisierte Kriminalität oder forensische Medizin stehen auf der Tagesordnung. Angesichts des steigenden Bedarfes an Sicherheitsdienstleistungen wird auch innerhalb der Branche verstärkt eine schärfere Kontrolle des Gewerbes befürwortet.
Man geht von einem wachsenden privaten Sicherheitsmarkt aus, angesichts der Sparzwänge etwa bei der Polizei eine durchaus berechtigte Hoffnung.
Ein bisschen Spaß sei aber auch den den Detektiven gegönnt. Das‘ Programm der Vollversammlung sieht deshalb einige Erholungspausen vor. Nach einer Besichtigung des Reichstages mit anschließendem "welcoming by Mrs. Petra Pau" und weiteren Mitgliedern des Innenausschusses des Bundestages eilen die eifrigen Kongressbesucher weiter nach Potsdam, um nach einem »small lunch« das Schloss Sanssouci zu besuchen. Non Stop geht es anschließend wieder zurück nach Berlin, um ein »Munich-style-Octoberfest Dinner« im Freien zu absolvieren. Der Kongress klingt mit einer weiteren Besichtigungstour nach Dresden aus.
Ein detaillierter Dress-Code soll den Detektiven den Überblick in Sachen Kleidung‚bewahren helfen. Es wird unterschieden zwischen "Business Attire, Smart Casual, Relax Casual Light und Formal Attjre/National"- schlechte Zeiten für Detektive a la Colombo die tagein Tagaus mit einem zerknitterten Mantel auf Verbrecherjagd gehen.

 

BDD-WAD-News

Fort- und Weiterbildung für Detektive in Deutschland

Die wissenschaftliche Forschung und technische Entwicklung auf nahezu allen Wissensgebieten erbringt immer neue Erkenntnisse, die sich die Menschheit zu Nutze macht. Das bedeutet aber auch, dass jeder Einzelne sein Wissen und Können den neuen Erkenntnissen anpassen muss, um den aktuellen Anforderungen optimal gewachsen zu sein. Es ist von daher ganz normal und nahezu selbstverständlich, dass es heutzutage so gut wie keinen beruflichen Tätigkeitsbereich auf der ganzen Welt mehr gibt, in der eine permanente berufliche Fort- und Weiterbildung unerläßlich ist, um persönlich und wirtschaftlich erfolgreich sein zu können. Von dieser ständig neuen Erkenntnisentwicklung ist auch das Detektivgewerbe nicht ausgenommen. Es stellt sich somit die Frage, was das Gewerbe tut, um die in ihm tätigen Personen wissenschaftlich-technisch und damit fachlich auf dem laufenden zu halten. Am Beispiel Deutschland soll dieser Frage einmal nachgegangen und der derzeitige Stand auf dem Gebiet der Fort- und Weiterbildung für Detektive dargestellt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich dann als erstes die Frage: Wie wird man in Deutschland Detektiv? Entgegen vielen anderen europäischen und auch außereuropäischen Staaten gibt es in Deutschland von Seiten des Staates keinerlei fachliche Zugangsvoraussetzungen für die Aufnahme einer Detektivtätigkeit. Ein jeder kann also Detektiv werden, wenn er nach der Gewerbeordnung das entsprechende Gewerbe anmeldet. Das Gewerbeamt hat lediglich die persönliche Zuverlässigkeit des Antragstellers durch ein einfaches Führungszeugnis sowie einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister zu prüfen; es prüft aber in keinster Weise seine fachliche Kompetenz. Die Bezeichnung „Detektiv“ ist in Deutschland folglich auch nicht gesetzlich geschützt. Ein jeder kann sich, nach der entsprechenden Gewerbeanmeldung, somit Detektiv nennen. Vor diesem Hintergrund ist leicht nachvollziehbar, dass Personen auf den Markt kommen, die für das Detektivgewerbe völlig ungeeignet sind und der Branche nicht selten durch ihre Unprofessionalität einen erheblichen Imageschaden zufügen. Für viele Berufszweige in Deutschland ist Fort- und Weiterbildung, auch durch staatliche Regelungen bedingt, eine ständige Pflicht. Dazu gehört aber das Detektivgewerbe leider nicht, obwohl es gerade für dieses, nachdem es hierfür keine fachlichen Zugangsvoraussetzungen gibt, besonders geboten wäre. Dieser Zustand ist so alt wie die Bundesrepublik Deutschland besteht. Bereits den Gründungsmitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Detektive im Jahre 1950 war bewusst, dass dies für die Branche auf weite Sicht ein untragbarer Zustand darstellt und dass hier etwas, wenn schon nicht vom Staat, dann auf alle Fälle vom Berufsverband, getan werden müsse. Dabei ging es der Verbandsführung darum, das Ansehen ihres Berufes in der Öffentlichkeit, bei den Auftraggebern und den gesetzgebenden Körperschaften durch eine qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung sicherzustellen. Als Konsequenz entwickelten sich Überlegungen und Konzeptionen für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen durch den Bundesverband Deutscher Detektive. Hierzu wurde im Juni 1957 das Lehrinstitut des Verbandes ins Leben gerufen. Seitdem führt der Bundesverband Deutscher Detektive jährlich ein Fortbildungsseminar, insbesondere für seine Mitglieder, durch. Aber auch alle anderen Berufskolleginnen und –kollegen können als Gäste daran teilnehmen. Die Themen der Seminare werden im wesentlichen von den Anregungen der Mitglieder bestimmt. Das heißt, die Seminare sind bestrebt, jeweils die praktischen und theoretischen Wissenslücken zu schließen, um zumindest die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Detektive in die Lage zu versetzen, die an sie gestellten Anforderungen möglichst optimal zu erfüllen. Am 15. und 16. November 2003 findet das 46. Fortbildungsseminar des Bundesverbandes Deutscher Detektive in Bad Dürkheim statt. Auch auf diesem Seminar stehen wiederum für Detektive interessante und wissenswerte Themen auf dem Programm. Der Bundesverband Deutscher Detektive hat sich von seiner Gründung an für eine staatliche Zugangsregelung für den Detektivberuf und auch dafür eingesetzt, eine staatlich anerkannte Weiterbildung für diesen Beruf zu erwirken. Bisher in beiden Fällen leider ohne Erfolg. Der Verband wird dennoch seine Bemühungen in dieser Hinsicht fortsetzen nach dem Prinzip: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Das Sicherheitsgewerbe in Deutschland hat auf diese Weise eine ganze Reihe von Forderungen an den Staat zur Verbesserung der Qualität des dort eingesetzten Personals durchzusetzen vermocht. Der Bundesverband Deutscher Detektive ist deshalb zuversichtlich, eines nicht allzu fernen Tages ebenfalls entsprechend erfolgreich zu sein. Parallel dazu und ungeachtet der Bemühungen bei den zuständigen staatlichen Stellen, wird der Bundesverband Deutscher Detektive sein Lehrinstitut mit dem Ziel weiter ausbauen, durch systematische Weiterbildung den technischen und fachlichen Bedürfnissen der Detektivbranche noch besser als bisher Rechnung zu tragen. Sein Grundsatz dabei lautet: „Mehr lernen, mehr wissen, mehr können.“ Der interessierte Leser wird sich spätestens jetzt fragen, ob es in Deutschland denn keine Ausbildung für Detektive gibt, um von vornherein zu verhindern, dass Personen eine Detektivtätigkeit aufnehmen, ohne dafür fachlich vorbereitet zu sein. Natürlich gibt es die Detektivausbildung in Deutschland. Dieses Thema kann aber plausibel und für Außenstehende nachvollziehbar nur in einem gesonderten Kapitel „Ausbildung“ dargestellt werden. Deshalb soll an dieser Stelle nur so viel festgestellt werden: Selbstverständlich hat der Bundesverband Deutscher Detektive seine Aufmerksamkeit auch dem Problem der Nachwuchsausbildung schon frühzeitig zugewandt. Der Verband ist deshalb einer der Träger der „Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD)“, die seit dem Jahre 1988 eine zweijährige kombinierte Fern- und Direktausbildung mit dem Abschluss „Geprüfter Detektiv/Geprüfte Detektivin“ durchführt. Grundlage dieser Ausbildung ist ein Ausbildungsplan, der vom Bundesverband Deutscher Detektive maßgeblich mit gestaltet wurde und von der „Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU)“ geprüft und anerkannt worden ist.

 

CD Sicherheits-Management April/Mai, Nr. 2/2001

Handlanger der Anwaltschaft

Die Matulas haben Familientreffen, im August kommen sie deshalb nach Berlin. Es ist das 76. Mal, dass sie sich zusammenfinden. Und es wird, davon sind die Veranstalter überzeugt, nicht nur "ein Fall für zwei". Spaß beiseite. Es geht um die Detektive schlechthin; Weltverband (World Association of Detectives Inc.). hat zur diesjährigen Jahreskonferenz an die Spree geladen. Der Vergleich mit dem ebenso ruppig-charmanten wie agilen Claus-Theo Gärtner alias Matula scheut man bei den Konferenz-Organisatoren nicht, wie Werner E. Sachse bemerkt. Der Aschaffenburger Detektiv Sachse bekleidet zur Zeit in der W.A.D. die Funktion des "Chairman of the Board". Allerdings empfiehlt er seinen Kollegen einen weniger nonchalanten Umgang mit den gesetzlichen Grenzen, als dies zuweilen Matula exerziert.Wenn sich am 18. August dieses Jahres Detektive aller Herren Länder im Berliner Hilton-Hotel zur einwöchigen Konferenz zusammenfinden, dann steht unausgesprochen auch die Mission auf der Tagesordnung, dem Image des Detektivs etwas Glanz zu verleihen. Was haben nicht große Literaten den Privatdetektiven für schaurig-spannendes Leben eingehaucht, Raymond Chandler seinem Philip Marlowe zum Beispiel. Die Wirklichkeit ist profaner. Reiche Witwen, die sich nicht knickrig zeigen, wenn es darum geht, den plötzlichen Tod ihres Gatten aufklären zu lassen und dabei schließlich selbst ins Visier leidenschaftlicher Ermittlungen geraten, bestimmen das Berufsbild der Detektive kaum. Man will eher Dienstleister sein, schielt dorthin. wo es noch Geld gibt, auf die Wirtschaft.Über den konkreten Erfahrungen, über Neuheiten, nationale Besonderheiten will man im August eine Woche lang in Berlin im offiziellen wie im ungezwungenen Rahmen reden.Teilnehmen darf jedes Mitglied der Organisation.Die Bürde der Kongressvorbereitung hat sich der Berliner Diplom-Kriminalist Lothar Müller aufgehalst. Seit 1925 treffen sich die Vertreter der Detektiv-Branche alljährlich, im vergangenen Jahr war man in Kuala Lumpur (Malaysia) zusammengekommen. Auf die Anfänge zurückblickend, meint Sachse: "Damals war das Hauptziel des Verbandes, internationale Kontakte zu knüpfen, sich kennen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen." Zur modernen Aufgabenstellung meint Kongress-Organisator Müller: "Heute liegt ein viel größeres Augenmerk auf Weiterbildung, also auf Seminaren." Mit hochkarätigen Spezialisten, die Vorträge zu diversen aktuellen Themen halten, soll dem Motto des Forums entsprochen werden. ...Kriminaldirektor Peter Krömer vom Bundeskriminalamt steht mit einer Einschätzung der Organisierten Kriminalität aus deutscher Sicht ebenso auf der Tagesordnung wie der Gerichtsmediziner Professor Gunther Geserick, der über die kriminalistischen Möglichkeiten des genetischen Fingerabdrucks, der DNA-Analyse, sprechen wird. Die W.A.D. versteht sich nicht als berufsständische Interessenvertretung - wie dies in Deutschland beispielsweise der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) ist -, sondern als eine "koordinierende Einrichtung". Der Mitgliederstand der W.A.D. hat sich im zurückliegenden Jahrzehnt auf eine Zahl zwischen 800 und 1.000 eingependelt. Besondere Veränderungen gab es bislang nicht. Jetzt aber hat man sich, wie Sachse betont, nach einigen organisatorischen Veränderungen, ehrgeizigere Ziele gesetzt: "Wir wollen in den nächsten fünf Jahren einen Stand von 2.000 bis 5.000 Mitglieder erreichen und halten das auch für realistisch." Auf die Frage, inwieweit die Branche auf wirtschaftlich soliden Beinen steht, antwortet Müller mit einem Beispiel: "Wenn man in die Berliner Gelben Seiten schaut, wird über Jahre konstant etwa 75 Einträge von Detektiven bzw. Agenturen finden. Nur etwa 50 von ihnen sind dort dauerhaft vertreten. Die anderen kommen und gehen, Fluktuation."Die Branche leidet zweifellos auch an dem Image, als Schnüffelnase unappetitliche Bettgeschichten für gehörnte Ehemänner und dergleichen mehr auszukundschaften. "Ehesachen", so Sachse, "sind ja heute nicht mehr von der Frage geprägt 'wer mit wem?', heute geht es mehr um Unterhaltsangelegenheiten und dabei oft um viel Geld und um Sorgerechtsfragen." Aber der Anteil solcher Betätigungsfelder an den Gesamtaufgaben der Detektive sei stark rückläufig. Die Detektive blicken auf die Wirtschaft, wohlwissend, dass hier noch Geld für Ermittlungen vorhanden ist. Diesem Klientel will man sich als Mitglied der in über 60 Ländern der Erde vertretenen W.A.D. besonders empfehlen. Die in den jährlichen Kongressen entstandenen oder gepflegten Kontakte, "versetzen uns", so Lothar Müller, "in die Lage, wenn ein geprellter Investor Auskünfte über eine dubiose Firma in Hongkong einholen will, sofort einen Kollegen vor Ort einzuschalten." Man bietet sich an, für Ermittlungen auf einem unüberschaubareren Weltmarkt, wo sich Geschäftspartner vor dem großen Joint venture erst einmal "beschnüffeln" wollen.Sachse kleidet sein Berufsbild in einen Vergleich: "Die Kriminalpolizisten sind die Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft. Die Detektive verstechen sich - in Gänsefüßchen - als die Hilfsbeamten der Anwaltschaft." Hier sei, ob in Fragen des Zivil- oder des Strafrechts, das weite Einsatzgebiet für seine Zunft, meint Sachse. Es gibt ihn also doch, den "Fall für zwei". Woran krankt es, dass die "private eyes" - oder wie die Privatdetektive auch immer genannt werden wollen - ihre Arbeit nicht angemessen verkaufen können? Sachse und Müller sind sich einig, dass dies eigentlich fast der Quadratur des Kreises gleichkommt. Absolute Diskretion sei eines der wesentlichsten Merkmale seriöser Ermittlertätigkeit. Kaum ein Kunde wäre einverstanden, wenn ein Detektiv in der Öffentlichkeit werbewirksam mit den Erfolgen seiner Aufklärungsarbeit hausieren ginge. Sachse nennt ein Beispiel: Ein Hersteller vom Marken-Tennisschlägern war aufgefallen, dass täuschend ähnlich aussehende Billigprodukte auf den Markt geworfen wurden. Eine eingehende Analyse zeigte, das sind keine billigen Fälschungen, das sind identische Produkte. Schließlich konnte ermittelt werden, dass in der Produktionsfirma in Südostasien nach der bestellten Stückzahl die Arbeit nicht beendet wurde, sondern die Herstellung der Tennisschläger für einen grauen Markt fortgesetzt worden war. Eine Erkenntnis, die aus marktstrategischen Gründen besser im Tresor blieb. Der Detektiv ist heute in der Mehrzahl noch ein Einzelkämpfer, kleine Bürogemeinschaften eingerechnet. Große Firmen, die neben Ermittlungstätigkeiten auch noch anderen Sicherheitsdienstleistungen anbieten, sind noch die Seltenheit. Kongress-Manager Müller, der mit einem Kollegen ein Büro in der Hessischen Straße im Berliner Bezirk Mitte betreibt, sieht die Kleinen nicht im Nachteil: "Ich traue mir heute zu, einen Auftrag anzunehmen, bei dem ich ad hoc zehn Personen beschäftigen müsste, das geht. Sowohl hier in Berlin, wie auch bundesweit. Das geht, weil es einen guten kollegialen Kontakt gibt über die Berufsverbände. Auch über Grenzen hinweg."Diese Kontakte zu pflegen ist ein Anspruch des W.A.D.-Kongresses. Und es soll ein Image der Branche vermittelt werden, das den Detektiv als professionellen Ermittler zeigt und nicht als eigenbrödlerischen Schnüffler.P.N.

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